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Arild Andersen und seine Majestät: der Kontrabass

(ktu) Zu Beginn seiner langen fast 50-jährigen Karriere als Jazzmusiker arbeitete Andersen in Oslo als Begleitmusiker, wenn amerikanische Größen wie Dexter Gordon oder Chick Corea auf einer Europatournee in Norwegen Station machten. 1968 betrat er als Mitglied von Jan Garbareks Band bei den Berliner Jazztagen erstmals die europäische Bühne.

Andersen sagt von sich selbst, er habe in dieser Zeit stets mit Musikern zusammen gespielt, die besser waren als er, und dadurch sehr viel gelernt. Neben den Einflüssen diverser Größen des zeitgenössischen Jazz öffnet er sich aber auch anderen Elementen wie der Folkmusik Norwegens. So unterschiedlich wie seine Wurzeln sind auch die musikalischen Momente dieses Konzertabends. Mal getragen melodiös, mal wild und ekstatisch, mal mit rein akustischer Tonbildung, mal ergänzt durch elektronische Hilfsmittel wie Echo, Hall und Loop: Andersen präsentiert ein sehr facettenreiches Konzert, in dessen Mittelpunkt das größte aller tragbaren Instrumente steht: Der Kontrabass. Und Andersen versteht es, eben diesen als Instrument mit enormer Klangvielfalt zu präsentieren. In einem Moment „malt“ er mit dem Bogen sehnsuchtsvolle Laute, im nächsten Augenblick ertönt der Bass mit einem mächtigen, majestätischen Klang – mit knorrigem Unterton.

Heute ist Andersen selbst Vorbild für viele Nachwuchsmusiker und gibt gern seine Erfahrungen weiter, deshalb hatte er sich für sein Trio auch zwei talentierte junge Nachwuchsmusiker ausgesucht: Den Schlagzeuger Gard Nilssen und den Pianisten Helge Lien.

Das Konzert beginnt: Wenige Striche mit dem Bogen auf dem Kontrabass – schon entsteht ein „Gemälde“ vor dem geistigen Auge des Zuhörers. Ein Gemälde, dass die eisige Kälte, aber auch die reine Schönheit des Nordmeeres abbildet. Wenn man genau hinhört, könnte man meinen, sogar Walgesänge zu vernehmen. Schon nach wenigen Augenblicken versinkt das Publikum in eine konzentrierte, ja fast schon andächtige Stille. Allmählich tasten sich auch Klavier und Schlagzeug an das musikalische Geschehen heran. Im weiteren Verlauf entwickelt sich ein spannender Dialog zwischen Bass und Schlagzeug sowie zwischen Klavier und Bass.

Schon im ersten Stück zeigt sich, dass es Andersens besonderes Anliegen ist, ein musikalisches „Interplay“ zu praktizieren. Im Interview am Ende der Pause erläutert er, was er unter Interplay versteht: Das gleichberechtigte Zusammenspiel aller Instrumente in einem gemeinsamen musikalischen Prozess im Gegensatz zu der z.B. im Bebop vorherrschenden Spielweise, bei der ein Instrument im Vordergrund steht und ein Solo nach dem anderen spielt, während Bass und Schlagzeug nur das Dasein als Begleitinstrumente fristen.

Seine Devise, dass das Hören auf die Mitmusiker und das eigene Spiel gleichermaßen wichtig sind, wird schon im ersten Stück deutlich. Auch im weiteren Verlauf des Abends läßt er seinen jungen Mitmusikern weiten Raum zur freien musikalischen Entfaltung und zeigt sich hier als echter Teamplayer. Solistische Einlagen und Dialoge zwischen zwei Instrumenten wechseln sich immer wieder ab.

Nach knapp zwei Stunden feinster Jazzmusik, zwei Zugaben und reichlich Applaus endet im fast vollständig besetzten Saal des Theater Güterslohs ein spannender Konzertabend.

 



Gunter Hampel
Samstag, 17 Juni 2017- 20 Uhr Theatersaal
Weil das Vibrafon nicht das populärste Jazz-Instrument ist, konnte aus Gunter Hampel kein populärer Jazzer werden. Wohl aber einer der einflussreichsten: Seit 1958 Profi, schuf Gunter Hampel 1964 mit der Platte „Heartbeat“ einen der ersten Tonträger eigenständiger europäischer Jazzmusik. Trompeter Manfred Schoof und Pianist Alexander von Schlippenbach waren damals u. a. seine Mitspieler. Mit enormem Einfluss wirkte Hampel ab 1971 auch in den USA. In Deutschland arbeitete er u. a. mit Jazzkantine, dem Rapper Smudo und Ben Becker. Das kraftvolle und kreative Gunter Hampel European-New York Quintett wird durch Tochter Cavana Lee-Hampel komplettiert.

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